Auflage: 1. Umfang (Seiten): 812 Format: 16,5 x 24,5 cm Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen Programmsparte: Sachbuch Art.Nr.: 1315 ISBN-13: 978-3-7666-1315-8
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Rezensionen
Eigensinn und Bindung
Schon rein äußerlich, durch Umfang und Gewicht, beeindruckt dieser voluminöse Band, der bei seinem Erscheinen schnell breite Beachtung fand. Die indirekte Botschaft lautet: Katholische Intellektuelle sind "Schwergewichte"! Auch wenn der "Kürschner", das deutsche Gelehrten-Verzeichnis, wie Hans Maier einmal bemerkte, über viele Auflagen hinweg hinter katholischen Wissenschaftlern in Klammern ein kleines "k." einfügte - quasi "als Warnung: Vorsicht, Sonderkultur!" -, auch wenn "katholisches Milieu" für manche Zeitgenossen negativ besetzt ist und auf andere anachronistisch wirkt: Katholische Intellektuelle sind aus dem Geistesleben Deutschlands nicht wegzudenken, man muß mit ihnen rechnen! Anders gesagt: Wer wollte auf sie verzichten? Die andere Seite der Medaille - die Sicht der "Betroffenen" - hat Heinrich Böll einmal ironisch formuliert: "Wenn es für einen Deutschen schon nicht leicht ist, ein Intellektueller zu sein, so ist es, wenn er außerdem noch Katholik ist, doppelt unangenehm." ...
... Das Buch trägt entscheidend dazu bei, den katholischen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft und Kultur neu vor Augen zu stellen. Nach außen macht es deutlich, wie einerseits vielgestaltig und andererseits unterschwellig oder offensichtlich wirkmächtig gelebter Katholizismus ist. Nach innen signalisiert es, dass diese Vielfalt eben nicht Beliebigkeit ist, sondern profilierte Identität in Pluralität. So ist der Katholizismus zukunftsfähig. ...
Wer heute von Spiritualität spricht, denkt kaum an kritisches Denken oder gar tragisches Leben. Wenn von intellektueller Redlichkeit als Denk- und Lebensform die Rede ist, denkt kaum einer ans Beten - und allzu oft hat »intellektuell" auch in Kirchenkreisen einen negativen Beigeschmack. Angesichts solch schmerzhafter Entzweiungen nach dem Motto »fromm oder kritisch" ist es eine publizistische Großtat, zwei umfangreiche Bände zu wagen, die die Vielfalt katholischer Intellektualität im Deutschland des 20. Jahrhunderts porträtieren. Im bislang noch nicht erschienenen zweiten Band wird es um »Intellektualität unter den besonderen Bedingungen des theologischen oder kirchlichen Amts" gehen, wie der ebenso fleißige wie kundige Herausgeber nicht ohne Hintersinn ankündigt. Die im ersten Band vorgestellten 39 katholischen Selbst- und Querdenker lassen aufgrund ihrer biografischen wie geistigen Vielfalt nachdenklich fragen, wie es heute um das Verhältnis von Kirche und (Post-)Moderne bestellt ist.
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... Seiner äußeren Gestalt nach orientiert sich der Band an der katholischen Reihe »Zeitgeschichte in Lebensbildern“.[3] So sind alle Porträtierten mit einem Foto und einer Literaturliste ihrer wichtigsten Werke sowie der Sekundärliteratur vertreten. Die Sammlung kann insofern als nützliches Nachschlagewerk dienen, wenn man sich einen ersten Eindruck über die Geschichte katholischer Laienintellektueller in Deutschland im 20. Jahrhundert verschaffen möchte. Auf den zweiten Band darf man gespannt sein. ...
Ob in Philosophie, Literatur, Bildenden Künsten, Publizistik oder Politik - katholische deutsche Intellektuelle haben die geistige Landschaft des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt. Sie stellten Fragen an die Zeit und ihre Mitmenschen, die anderen nicht einfielen oder die sie nicht zu stellen wagten. Hans-Rüdiger Schwab hat 39 Porträts ganz unterschiedlicher Männer und Frauen - Laien allesamt - zusammengestellt, die den großen Spannungsbogen katholischen Geisteslebens im 20. Jahrhundert widerspiegeln. Gemeinsam ist ihnen, dass sie jenseits der in sich geschlossenen katholischen Milieus den Aufbruch zu neuen Ufern wagten. Ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte in Porträts.